Madagaskar - Der linke Fußabdruck des Menschen

Einige Hintergrundinformationen über das Land

Vor der Ostküste Afrikas gegenüber Mozambique liegt Madagaskar, von den Madegassen beschrieben als „der linke Fußabdruck eines Menschen“. Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Welt. Die Entfernung über den Kanal von Mozambique zum afrikanischen Festland beträgt 400 km. Bei einer Fläche von 587.041 qkm ist Madagaskar fast doppelt so groß wie Deutschland.

Madagaskar ist ein Überbleibsel des versunkenen Kontinents „Gondwanaland“, der aus Südamerika, Afrika, Australien und Vorderindien bestand. Man nimmt an, dass Madagaskar sich vom übrigen Kontinent vor vielen Jahrmillionen lange vor dem Erscheinen der Menschen getrennt hat. Diese Trennung hat dazu geführt, dass sich auf der Insel eine Flora und Fauna erhalten hat, die auf dem Festland schon längst ausgestorben ist. Aus der Tierwelt bekannt sind vor allem die Lemuren. Aus der Märchenwelt kennen wir den inzwischen ausgestorbenen Riesenstrauss, den Vogel „Rock“. Für Zoologen und Botaniker ist Madagaskar ein „Naturdenkmal“ für Tiere und Pflanzen aus uralten Zeiten.

Lemur

Madagaskar hat ca. 17,38 Mill. Einwohner. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von weniger als 250 US$ (2002) zählt Madagaskar zu den ärmsten Ländern der Welt.

Trotz des immer noch großen Reichtums an endemischen Arten in Flora und Fauna sind viele Arten durch Abholzung, das Abbrennen der Wälder und Wilderei bereits ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. So bemüht sich die Regierung in Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen um die Wiederaufforstung und die Erhaltung der Waldbestände und damit dem Schutz der einheimischen Pflanzen-und Tierwelt.

Chamäleon

Madagaskar hat im Laufe seiner Geschichte verschiedene Einwanderergruppen aus allen Winkeln der Welt aufgenommen, denen allen eine einzige Sprache (Malgach) und der Ahnenkult – wenn auch mit unterschiedlichen Riten - gemeinsam ist.

In Madagaskar gibt es 18 verschiedene ethnische Gruppen, die in sechs Provinzen beheimatet sind. Die Ethnien sind zum Teil Mischungen verschiedener Einwanderergruppen und zum Teil Nachfahren von Einwanderern aus Polynesien, Malaysia, Indien, arabischen Ländern, Ostafrika und aus Europa (Piraten).

Im Folgenden möchte ich 6 ethnische Gruppen aufführen, um damit die Multikulturalität des Landes zu veranschaulichen:

Im zentralen Hochland lebt die größte Bevölkerungsgruppe des Inselreiches, die Merina, deren Vorfahren aus Malaysia und Polynesien um etwa 1000 nach Chr.Geb. nach Madegaskar einwanderten und sich hier mit den verschiedensten Gruppen anderer Einwanderer vermischten.

Die Sakalava leben entlang der Westküste. Sie sind Nachfahren arabischer, indischer und ostafrikanischer Einwanderer.

Die Tsimihety im Norden des Binnenlandes sind Nachfahren europäischer Piraten und Sakalava, die sich im 17. Jahrhundert im Inneren des Landes ansiedelten. (450.000)

Die Antankarana im Norden sind Nachfahren arabischer Einwanderer, die sich vor allem mit den Sakalava gemischt haben. Man nimmt an, dass sie sich auch mit europäischen Piraten vermischten, denn ihre Hauptstadt Antsiranana (ehemals Diego-Suarez) galt lange Zeit als exzelllenter Naturhafen und diente den Seerübern im 18.Jh als idealer Schlupfwinkel. Piraten gründeten dort die eigene Republik Libertalia.

An den Küsten und im Süden des Landes leben die Ethnien, deren Vorfahren aus Indien, den arabischen Ländern und aus Afrika kamen.

Die Betsimisaraka entlang der Ostküste sind die Ethnie, deren Angehörige von der größten Anzahl unterschiedlicher Herkunftsländer abstammen. Auf ihrem Territorium befanden sich die Landeplätze der Einwanderer. Die Ethnie entstand erst im 17.Jh., als es einem König, der vermutlich Nachkomme eines englischen Piraten war, gelang, viele unabhängige Gruppen unter seiner Herrschaft zu vereinigen. Ihr Name bedeutet: „Die Vielen, die sich nicht trennen lassen“.

Madagaskar war im Laufe seiner Geschichte für kurze Zeit (1595-1598) im holländichen Besitz und seit 1896 französiche Kolonie.

Seit 1960 ist Madagaskar unabhängig und seit 1992 eine Demokratie.

Anmerkungen zur politischen Situation, Stand April 2010:

Seit dem Umsturz im März 2009 hält das politische Chaos weiter an. Die Übergangsregierung ignoriert mit Oppositionsvertretern einmütig geschlossene Machtteilungsverträge und ist im Ausland komplett isoliert. Die wirtschaftlichen Folgen für das Land, das in der Entwicklung um Jahre zurückgeworfen wurde,  sind gravierend.

 

Roadsign

Wie Sie sehen können liegt “mein” Madagaskar weit entfernt von Irgendwo. Dadurch konnte sich auf dieser wunderschönen Insel eine einzigartige Flora und Fauna entwickeln, bzw. über die Erdepochen hinweg nahezu unverfälscht erhalten.

Mehr von der Schönheit Madagaskars können Sie in der Galerie unter Eindrücke aus Madagaskar sehen.