Ich kehre zurück, Dadabé

Buchtitel Ich kehre zurück, Dadabé

Die Geschichte eines madagassischen Mädchens
literarisches programm 151
September 2011
ca. 160 Seiten. Paperback.
Brandes & Apsel Verlag
14,90 Euro
ISBN: 978-3-86099-713-0

Eine von der ersten bis zur letzten Seite spannende Geschichte vom Überleben in einem der ärmsten Viertel der madagassischen Hauptstadt Antananarivo. Es geht um den alltäglichen Kampf um Nahrung, Kleidung und ein Dach über dem Kopf, aber auch um Lebensfreude, Hoffnung und Zusammenhalt unter den Armen.

 

 

Es ist Dadabé, der Großvater, der seiner Enkelin Todisoa und den anderen Kindern die Geschichte ihrer Familien erzählt. Doch als kurz nach seinem Tod ein Zyklon das Dorf verwüstet und Haus und Felder zerstört, beschließt Kamisy, Todisoas Vater, mit seiner Familie einen Neuanfang in der Hauptstadt zu wagen.
Das Leben in Antananarivo aber ist hart. Als ihre Ersparnisse aufgebraucht sind, lebt die Familie wie viele andere auf der Straße, wo sie mit schlecht bezahlten Gelegenheitsarbeiten, Betteln und dem Verkauf von Müll zu überleben versucht. Schließlich kommt die Familie illegal in einem der ärmsten Viertel unter. Als Kamisy für längere Zeit unschuldig ins Gefängnis gesteckt wird, ist es Todisoa, die die Familie zusammenhält und nach einem Ausweg sucht.

 

Eine madagassische Version des Buches wird im Frühjahr 2012 erscheinen!

http://vakiteny.blogspot.com/2012/03/ich-kehre-zuruck-dadabe.html?spref=fb

 

Resonanz

Dieses Buch steht auf der diesjährigen Empfehlungsliste von Librikon: Deutschsprachiges Qualitätskinder- und jugendbuch.

Aus der dort zu findenden Begründung:

Themenstark, horizonterweiternd: In "Ich kehre zurück, Dadabé" entführt Nasrin Siege die jungen Leser in eine andere Welt, die ihnen aber so nah vorkommt, dass keine Distanz (wie man sie so oft bei deutschen Autoren, die aus dem "warmen Nest" Armutsproblematiken aufgreifen) sie von dieser Erzählung trennen. Die Autorin vermag ihre prägnante Sprache so einzusetzen, dass ein bewegendes Schicksal ohne Umschweife vor den Leseraugen entfaltet wird. Die literarisch spannende Variante des Dokumentarischen, in eine Erzählung gegossen, wird hier vollendet vorgebracht. Die Diskussion über Armut und Gerechtigkeit offen und intelligent, ohne pathetische Diktion und ohne (wie in der Schule vermittelte) Denkschablonen in der Familie zu führen, ermöglicht dieses lesenswerte Buch.

 

Das Buch »Ich kehre zurück, Dadabé« wurde in die Auswahlliste für den LiBeraturpreis 2012 aufgenommen. Der »LiBeraturpreis« wird seit 1987 jährlich vom Ökumenischen Zentrum Christuskirche in Frankfurt am Main an Autorinnen aus Afrika, Asien und Lateinamerika vergeben.

 

Das Buch wurde auf der Website LiesMalWieder vorgestellt.

 

Auf der Website von Librikon, dem Magazin für Kinderbuchkultur (http://www.librikon.de/)
ist diese schöne Besprechung erschienen:

Mit authentischem Leben gefüllt - "Ich kehre zurück, Dadabé“

von Tordis Schuster

Zugegeben: Es ist etwas beschwerlich, anzukommen im Dorf Morakondro in Madagaskar, in dem die Protagonistin dieses Buches lebt. Todisoa, genannt Toddy, ist die älteste Tochter einer fünfköpfigen Familie, den Großvater Dadabé mit eingerechnet. Ihre Welt balanciert zwischen ethnischen Riten, Mythen und Geschichten und der immer präsenten Natur, Bedrohung und Ernährerin in einem, Schutz und Spielort kindlicher Fantasie.

Doch es lohnt sich, dort hinein zu schlüpfen. Hat man sich erst eingelebt, geht man neben Toddy durch den sagenumwobenen Wald zur Schule, hilft der Mutter beim Kochen, liebt Fliegennetze und wünscht sich genauso wie Todisoa, das Riesenrad in der großen Stadt zu sehen.

Kaum in dieser Welt angekommen, zerstört ein Sturm das Haus der Familie und damit Toddys bekanntes Leben. Die Geschichte beginnt, wir müssen mit. Toddys Vater will mit seiner Familie sein Glück in der Stadt versuchen - gegen den Willen der Mutter, der Kinder, trotz Warnungen der Dorfbewohner. Dass das sicher nicht gut gehen wird, rufen auch wir dem Vater zu. Doch der will nicht hören.

Todisoas Begeisterung für die kleinen schönen Dinge in der Stadt steckt an. Die Häuser wirken „so, als würden sie auf- und übereinander klettern“. Doch es folgen Wohnungs- und Arbeitslosigkeit, sozialer Abstieg. Die Kinder betteln und leiden Hunger. Todisoa fragt sich, wer hier in der Stadt das Glück bringt, wo es doch keinen Wald mit den Wichteln „Kalanoro“ gibt, die das normalerweise übernehmen. Wir und Todisoa fühlen uns ausgeliefert und haben Sehnsucht nach dem alten Leben, das sich nun in der Erinnerung verklärt und romantisch anfühlt.

Todisoa wird nun immer mehr ein recht erwachsenes Kind. Sehr reflektiert begreift sie Zusammenhänge, hinterfragt das Verhalten ihrer Eltern und leidet unter ihrer kindlichen Ohnmacht. Sie fragt sich, ob sie eine gute Tochter ist, sie ist wütend auf ihren alleine entscheidenden Vater und hat Angst vor der Zukunft. Und zudem ist sie die Starke, die Verantwortung schwer trägt. Etwa, als die kleinen Geschwister verschwunden sind oder der Vater ins Gefängnis muss.

Das alles kann man nicht ertragen, ohne eine klein bisschen erwachsener zu werden.

Den Erwachsenen wünscht man das Erwachsenwerden in diesem Buch oft etwas früher, Todisoa dagegen etwas später. Ankommen werden schließlich alle. Denn zuletzt siegt die Sehnsucht, die das ganze Buch durchzieht. Wie Großvater Dadabé gesagt hat.

Dieses Buch vereint die großen Menschheitsthemen: Existenzängste, Fragen nach dem Sinn, Freundschaft, Familienalltag, Spiel und Lernen. Das kennen wir, das zieht uns mit. Man mag Längen auf Grund zu flacher Spannungsbögen kritisieren - dieses Buch möchte etwas anderes, was ihm außerordentlich gut gelingt: Wir spüren Todisoa mit all ihren Wünschen und Ängsten in dieser völlig fremden Welt, da die Autorin sie mit authentischem Leben füllt und uns dabei begleitet.

 

Auch Deutschlandradio Kultur hat eine Besprechung des Buches gebracht:

 

Dadabé, der Großvater, hatte die kleine Enkeltochter zum Friedhof mitgenommen. Dort auf dem höchsten Hügel des Dorfes, so erzählte er ihr, würden die toten Verwandten weiterleben. Dorthin gingen die Lebenden, um Rat und Hilfe zu erbitten. Und dorthin würden auch jene irgendwann zurückkehren, die ihr Glück in der Stadt versucht hätten.

Gleichsam als Schutzengel stellte er dem madagassischen Mädchen die Razana vor. Und auch er begleitet nach seinem Tod das Kind weiter – nunmehr im Traum. Er ist im Geiste dabei, als die Familie nach einem Orkan verzweifelt das zerstörte Haus und die verschwundenen Felder verließ. Doch die Flucht in die Stadt brachte auch nur Armut und Hunger, Gewalt und Demütigung, weshalb die Eltern mit den Kindern wieder aufs Land zurückkehrten.

Nasrin Siege lässt offen, ob sie diesem Mädchen in den Elendsvierteln der Hauptstadt begegnet ist, als sie in Madagaskar lebte. Wenn nicht, dann wurde Tody nur erfunden, um all das auszudrücken, was die Schriftstellerin und Psychotherapeutin recherchiert und beobachtet hat.