Bericht zum 2. Kieler Büchereitag und zur Lesereise in Kiel

Als Ende des Jahres 2011 die Email-Einladung zum 2. Kieler Büchereitag in Kiel auf meinen Computer-Bildschirm flatterte, sagte ich sofort zu! In Kiel hatte ich studiert, hatte ich viele Jahre gelebt, Freundschaften aufgebaut und auch Wurzeln geschlagen ... Kiel ist eine meiner vielen Heimate!

Die Einladung kam von Mentor-Kiel, einer Initiative von Freiwilligen zur Förderung der Lese- und Sprachkompetenz von Kindern im Grundschulalter. Die Initiative hilft Kindern, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben, durch Einzelförderung außerhalb des Schulunterrichts. Zurzeit arbeitet Mentor-Kiel mit den Lehrkräften, Eltern und Kindern von zehn Kieler Grundschulen.

Spontan sagte ich der Einladung zu und im Laufe der folgenden Wochen stellte Mentor Kiel eine kleine Lesereise an drei der von ihr betreuten Grundschulen zusammen.

Auftakt meiner Lesereise war die Lesung am Samstag, den 18. Februar 2012 zum 2. Kieler Büchereitag im Sophienhof: Für diesen Tag hatten verschiedene Kieler Büchereien und Mentor-Kiel zu einem großen Bücherflohmarkt, zum Basteln, Malen und Leselernspielen für die Kleinen und zu Lesungen, mit dem Thema "Auf zu fremden Welten", eingeladen.

2. Büchereitag

Lesung im Sophienhof/2. Kieler Büchereitag, 18.02.2012, Foto: Kurt Rohde

Hier las ich aus "Ich kehre zurück, Dadabé" vor, und zwar aus einem Kapitel über die Straßenbücherei im Armenviertel in Antananarivo . Das passte zu dem Thema des 2. Büchereitags und auch zu der Lokation, denn auch hier fanden die Lesungen sozusagen "auf der Straße" statt, wenn auch diese eine Passagenecke eines luxuriösen Einkaufszentrums war ... überdacht, warm, voller Lichter und Reichtum... Aber gerade deswegen eine Herausforderung für mich: Inmitten einer von Reichtum überquellenden Geschäftigkeit von der Straßenbücherei einer Gruppe engagierter junger Menschen vorzulesen, die in einem Armenviertel, mit wenigen Mitteln, Kindern den Zugang zu Büchern ermöglichen.

Nach dem Büchereitag, fing meine eigentliche Lesereise in Kiel an: Ich hatte insgesamt 9 Lesungen in drei von Mentor Kiel betreuten Grundschulen und im Frauenhaus Kiel.

Der Löwe aus dem Buch "Wenn der Löwe brüllt" begleitete mich in jede Lesung. Mit dem Bilderbuch-Kino gingen die Kinder auf die Reise mit Emanuel und Bilali und auf jedem Bild suchten sie den Löwen, den Hunger, der die Kinder in der Geschichte begleitet.

Für die kleineren Kinder hatte ich im Anschluss an das Bilderbuch-Kino afrikanische Märchen aus "Kalulu und andere afrikanische Märchen" mitgebracht. Der gewitzte Hase Kalulu machte den Kindern viel Freude!

Den älteren Kindern las ich im Anschluss entweder aus "Ich kehre zurück, Dadabé" oder aus "Juma, ein Straßenkind aus Tansania" vor.

GS Russee

Lesung in der Bücherei der Grundschule Russee, 21.02.2012, Foto: Gunda Gross

Immer und in jeder Gruppe hatten die Kinder viele Fragen und so entstanden sehr schöne Gespräche mit ihnen... Immer wieder, und auch in diesen Lesungen, war und bin ich über die Einfühlsamkeit meiner kleinen ZuhörerInnen für die Not von Kindern wie Emanuel, Bilali, Juma und Todisoa beeindruckt.

Besonders erwähnen möchte ich die zwei Lesungen im Frauenhaus in Kiel: Während meiner Studienzeit in Kiel hatte ich in der damals neuen Initiative bei der Gründung des Frauenhauses mitgewirkt. Das war 1978/1979 gewesen, eine sehr intensive und auch schöne Zeit für mich, mit anderen Frauen gemeinsam etwas für Frauen und Mädchen zu tun, die häuslicher Gewalt ausgesetzt waren. Wir teilten Glücksmomente miteinander und auch schwierige Zeiten...

Inzwischen wird das Frauenhaus von neuen Frauen geleitet. Die Idee und die Solidarität mit den Frauen, die ihrer Hilfe bedürfen, ist jedoch wie damals, als wir, eine Handvoll Frauen uns daran machten, ein Frauenhaus aufzubauen.

Die Frauen hatten eine tolle Situation für die zwei Lesungen geschaffen. Die erste sollte für die kleineren Kinder sein und die zweite für die Frauen. Die Kleinen liessen sich aber auf diese Teilung nicht ein und so hatten wir zwei sehr lebendige Lesungen, mit vielen Fragen von Klein und Groß.

An diesem Tage traf ich dann einige meiner damaligen Mitstreiterinnen und Erinnerungen tauchten auf ... Ich bin froh, dass ich bei euch sein konnte! Und ich weiß, dass das Frauenhaus immer auf meinem Leseplan stehen wird, sollte ich wieder nach Kiel kommen!

An dieser Stelle bedanke ich mich bei Okka, Larissa und Anja, die die Lesungen im Frauenhaus ermöglicht und organisiert haben.

Für die Organisation der Lesungen an den Grundschulen möchte ich mich bei Gunna Westphal und Kurt Rohde von Mentor Kiel herzlich bedanken. Mein Dank geht auch an Brigitte Rohde, die mich zu den Schulen gefahren hat und die dafür gesorgt hat, dass ich in Kiels Kälte warme Füße hatte ... :)))

Bedanken möchte ich mich auch bei den Bibliothekarinnen und Lehrerinnen der verschiedenen Schulen für die tolle Vorbereitung der Lesungen.

Schliesslich geht mein Dank an Nahmen Roeloffs von KJSH - Verein für Kinder-, Jugend-, und Soziale Hilfen e.V. , der den Kontakt zu Mentor Kiel hergestellt hat .

Danke Nahmen und Dörte für eure Gastfreundschaft während dieser Tage.