Bericht zu den Lesereisen 2010

In diesem Jahr habe ich in Addis Abeba an der Deutschen Botschaftsschule (DBSAA) gelesen und ich war mehrmals, im Frühling und im Sommer, in Deutschland, wo ich in verschiedenen Städten und Schulen aus meinen neuen Büchern „Wenn der Löwe brüllt“ und „Die Piraten von Libertalia“ und auch aus einigen der älteren Bücher, wie „Juma, ein Straßenkind aus Tansania“ , „Hyänen im hohen Gras, Spuren in der Serengeti“ und „Kalulu und andere afrikanische Märchen“ vorgelesen und erzählt habe.

Zu dem Buch „Wenn der Löwe brüllt“ habe ich ein Bilderbuch-Kino zusammen gestellt: Während ich den Text vorlese, betrachten die Kinder die entsprechenden Bilder auf der Leinwand.

Manchmal, wenn ich aus dem Löwenbuch vorgelesen habe und der Löwe zum Thema wurde, habe ich das Märchen „Warum der Löwe brüllt“ aus meiner Märchensammlung „Kalulu und andere afrikanische Märchen“ erzählt und dann mit den Kindern so laut gebrüllt wie der Löwe, dass die ganze Schule gewackelt hat und der Löwe sogar im ganzen Ort gehört werden konnte ...

Zu dem „Hyänenbuch“ habe ich eine Kassette mit Tierlauten aus der Serengeti, die ich den Kindern vorspiele, und dann lasse ich sie raten, um welche Tiere es sich handelt. Das ist immer sehr lustig ... Manchmal dauert es etwas, bis die Kinder die Laute richtig identifizieren können. Und manchmal bin ich sehr verblüfft, wie schnell das geht, wie dieses Jahr in der Deutschen Botschaftsschule Addis Abeba (DBSAA)! Kein Wunder, denn in der großen Stadt Addis Abeba kann man in manchen Nächten die Hyänen lachen und rufen hören.

Wieder habe ich viele intensive und schöne Begegnungen mit Kindern, LehrerInnen, BibliothekarInnen und Eltern gehabt.

Jede Lesung war wieder etwas Besonderes, und an dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei all jenen bedanken, die diese Lesungen ermöglicht haben:

Nina Jany (OASE/Berlin), Sibylle Brandl (Stefan-Georg-Gymnasium/Bingen). Rudolf Blauth (VHS Ahlen), Andra Meyer (DBSAA), Carmen Breuckmann-Giertz (Gynasium Haren), Frau le Coutre-Bick und Ulrike Gerstner (Literaturbüro Westniedersachsen), Evelin von Rochow (Bibliothekarin/Gymnasium Raublingen) und Ingeborg Lang (Pater-Alois-Grimm-Schule/Külsheim).

Die erste Lesung fand am 28. Februar in Berlin statt, organisiert von dem Projekt „Kulturen im Dialog“ der OASE Berlin und der Grundschule an der Marie (Prenzlauer Berg). In dem Café Multi-Kulti im interkulturellen Haus Pankow, am Sonntag, den 28. Februar 2010 um 15 Uhr mit Kaffee und Gebäck aus fairem Handel.

Zu der Klasse 5 und ihrer Lehrerin Sabine Weiche der Grundschule an der Marie hatte ich schon des längeren Kontakt gehabt. Die Kinder hatten „Juma, ein Straßenkind aus Tansania“ gelesen und hatten daraufhin Kontakt zu mir aufgenommen und ich hatten ihnen versprochen sie zu besuchen, sollte ich demnächst nach Berlin kommen. Als das Team der OASE mich zu einer Lesung einlud und ich fest stellte, dass die Grundschule und die Veranstalter quasi Nachbarn sind, bot es sich an, sie zusammen zu führen ...

Das war einfach toll! Die Kinder kamen mit großer Begeisterung und vielen Fragen. Sie hatten ihre Eltern mitgenommen und diese hatten reichlich Kuchen mitgebracht ... Das Bilderbuch-Kino über Emanuel und Bilali und der Text aus „Libertalia“ machten nachdenklich und hungrig ... das war, als bei den kleinen Zuhörern „der Löwe brüllte“.

Am Rande dieser Veranstaltung fand ein Interview mit mir statt, das im Juni 2010 im Bulletin Jugend & Literatur (BJL) erschienen ist.

Weiter ging es zur zweiten Lesung am Stefan-George-Gymnasium, wo ich am 4. März auf eine sehr interessierte Schülerschaft traf. Aufmerksam hörten die Kinder der Geschichte der Piratenrepublik „Libertalia“ zu. Sie hatten viele Fragen zu den Themen Menschenrechte, Sklaverei und Piraterie, die in meinem Roman angesprochen werden.

In Schwerte fand nun am 18. April meine dritte Lesung statt, eingebettet in der Veranstaltung „Schwarz auf Weiß – Tansania in der deutschsprachigen Literatur“ und organisiert von der VHS Ahlen, dem Freundeskreis Bagamoyo e.V. und Ev. Akademie Villigst in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft „Arbeit & Leben“, DGB/VHS und dem Tanzania-Network. Mit mir waren mehrere andere Autoren eingeladen, die über Tansania geschrieben haben. Obwohl es sich hier um ein erwachsenes Publikum handelte, habe ich aus dem Buch „Wenn der Löwe brüllt“ vorglesen und bin dabei auf großes Interesse gestossen. Besonders schön war für mich die Begegnung mit einigen der AutorInnen und der Musikerin Josephine Kronfli und den anderen Musikern der Gruppe Karibuni.

Nach Schwerte war ich wieder für ein paar Wochen in Addis Abeba, wo ich am 4. Juni in der DBSAA zwei Lesungen in der Grundschule hatte. Das Bilderbuch-Kino und die Geschichte von Emanuel und Bilali berührten die Kinder hier ganz besonders. Sie sind jeden Tag konfrontiert von der Armut, die überall in den Straßen von Addis sichtbar ist. So waren die Gespräche nach der Lesung irgendwie anders als mit den Schulklassen in Deutschland. Die Kinder waren betroffen und sprachen über ihre Hilflosigkeit und Traurigkeit, wenn z.B. Kinder in ihrem Alter sie anbettelten. Ein Junge drückte das mit diesen Worten aus: „Dann habe ich immer ein dickes Gefühl ... .“ Das Hyänenbuch und die Tierlaute interessierten sie wieder auf einer anderen Ebene. Sie errieten sehr schnell, dass das Lachen auf dem Tape den Hyänen gehörte und das war so lustig und ansteckend, dass auch sie alle lachen mussten ...

Mit den SchülerInnen des Gymnasiums Haren und ihrer Lehrerin Carmen Breuckmann-Giertz war ich bereits schon in den Monaten davor in Kontakt gekommen. Die SchülerInnen hatten „Juma“ gelesen und sie hatten mir geschrieben. Siehe Leserbriefe auf meiner Website! Auf dem Akademieabend der Schule in Haren am 8. Juni habe ich aus dem Löwenbuch und aus „Juma“ vor gelesen und einen kleinen Vortrag über Straßenkinder und wie man ihnen helfen kann, gehalten. Hier traf ich auch wieder Josephine Kronfli und ihre Band!

Das war das erste Mal, dass ich nach Osnabrück gekommen bin und die Stadt und die Menschen, denen ich hier begegnet bin, haben mir sehr gefallen! Die Lesungen aus „Wenn der Löwe brüllt“ und „Libertalia“ fanden in der Stadtbibliothek, im Rahmen des Osnabrücker Afrika Festival 2010, „Echt Afrika!“ am 9. und 10. Juni statt.

Und von Osnabrück ging es nach Bayern! Hier habe ich in Raubling am 14. und am 15. Juni mehrere Lesungen im Gymnasium und in der Grundschule Raubling gehabt. Gelesen habe ich wieder aus dem „Löwenbuch“ (Bilderbuch-Kino) und aus „Libertalia“. Die Kinder aller vier Gruppen waren sehr interessiert und wissbegierig. Es war eine reine Freude, ihnen vorzulesen und mit ihnen zu diskutieren.

Der Abschluss meiner diesjährigen Lesungen in Deutschland fand in Külsheim statt und zwar an der Pater-Alois-Grimm-Schule. Die Lesungen waren alle ganz toll organisiert und vorbereitet durch die Lehrerin Ingeborg Lang-Danner und ihre Kolleginnen. Zu dieser Lesung erschien der im Folgenden wiedergegebene Zeitungsartikel in den Fränkischen Nachrichten:

 

Gebannt lauschten die Kinder Nasrin Siege. Bild: Pater-Alois-Grimm-Schule

Donnerstag 24. Juni 2010

Lesung: Deutsch-iranische Kinderbuchautorin Nasrin Siege war in Külsheim zu Gast 

Wenn der Löwe brüllt . . .

KÜLSHEIM. Rechtzeitig zum internationalen Tag des afrikanischen Kindes hatte die Pater-Alois-Grimm-Schule die Kinderbuchautorin Nasrin Siege zu einer Lesung aus ihren Kinderbüchern eingeladen. Seit 1983 lebt und arbeitet Nasrin Siege mit ihrer Familie, unterbrochen von nur kurzen Aufenthalten in Deutschland, in verschiedenen afrikanischen Ländern, zur Zeit in Äthiopien. Neben dem Schreiben von Kinder- und Jugendbüchern unterstützt sie, zusammen mit dem Verein „Hilfe für Afrika“, Kinderhilfsprojekte in Tansania, Sambia, Madagaskar und Äthiopien.
In der Pater-Alois-Grimm-Schule las die Autorin vor den Kindern der Klassen 1 bis 4 aus ihrem im Peter-Hammer-Verlag erschienen Buch „Wenn der Löwe brüllt“ (gemeint damit ist der Hunger, der sich im Bauch meldet), aus „Juma – ein Straßenkind aus Tansania“ (Beltz & Gelberg Verlag), und sie erzählte den Kindern afrikanische Märchen, die sie in ihrem Buch „Kalulu und andere afrikanische Märchen“ veröffentlicht hat (Brandes & Apsel Verlag).
Berührt zeigten sich die kleinen Zuhörer davon, dass es Kinder gibt, die ohne Eltern und unter großen Entbehrungen auf der Straße leben müssen. Im Gespräch mit der Autorin verglichen sie ihre Lebenssituation mit denen der Straßenkinder. Dabei stellten die Kinder fest, dass die Straßenkinder Afrikas die gleichen Wünsche, Träume und Bedürfnisse haben wie sie selber. Sie zeigten sich betroffen darüber, dass Vieles, was für sie selbstverständlich ist, für Straßenkinder Wünsche und Träume bleiben. Es sei denn, man hilft ihnen von der Straße wegzukommen.
Zahlreiche Fragen der beeindruckten und begeisterten kleinen Zuhörer wurden von der Autorin beantwortet. Anschließend bedankte sich Klassenlehrerin Ingeborg Lang-Danner, die diese Lesung organisiert hatte, bei Frau Siege. Man habe dadurch beigetragen, die Schüler für die Probleme Afrikas zu sensibilisieren.
Ingeborg Lang-Danner