Projekte

 

Das Projekt TOGETHER! in Addis Abeba

Seit 2012 unterstütze und engagiere ich mich in der jungen äthiopischen NRO TOGETHER!, die wir – eine Gruppe von Äthiopiern und Deutschen in Addis Abeba - ins Leben gerufen haben und die im März 2013 offiziell registriert wurde.

Seit März 2013 unterstützt Hilfe für Afrika e. V. die NRO auch finanziell.

Für die Jahre 2013 – 2015 möchten wir im Rahmen unseres Projektes die Chancen von sehgeschädigten Menschen in Rehabiltation, Bildung und Beruf in Äthiopien wesentlich verbessern:

Das Projekt beruft sich auf die gleichen Rechte aller Menschen auf Bildung, Beteiligung, Arbeit und gesunde Entwicklung. Blinde Menschen in Äthiopien erfahren, aufgrund ihrer eingeschränkten Sehfähigkeit, fast durchgängig Marginalisierung und Benachteiligung. Viele von ihnen leben in großer Armut.
Auffallend ist in dieser Bevölkerungsgruppe die hohe Motivation etwas zu lernen, um dem Kreislauf von Behinderung und Armut zu entrinnen.

TOGETHER! möchte Menschen mit Sehbehinderung durch verschiedene miteinander verknüpfte Projektkomponenten hierbei praktisch unterstützen und mit ihnen neue Persepktiven schaffen.

Das Stipendienprogramm von Together!, für das sich im August 2013 über 150 blinde Menschen mit extrem sozio-ökonomisch benachteiligtem Hintergrund beworben haben, ist eine Projektkomponente, die aktuell dringend privater Sponsoren bedarf!

Ein Stipendium für einen jungen Menschen mit Sehbehinderung, der sich an der Universität Addis Abeba oder am Kotebe College Für Lehrerausbildung einschreiben möchte, beträgt monatlich mindestens 800 ETB, umgerechnet 40 Euro. Darin sind enthalten Registrierungs- und Studiengebühren, Miete und Lebenshaltungskosten.

Die Ausbildung an der Uni und im College dauert ca. drei bis vier Jahre. Potentielle Spender, die sich nicht auf einen solch langen Zeitraum festlegen wollen, können die jungen Menschen unterstützen, die sich bei uns mit praktischen Ideen für ein Klein-Business beworben haben und denen das Startkapital zur Umsetzung fehlt.

Eine weitere Projektkomponente, die mir und uns allen von Together! besonders am Herzen liegt, ist das Frauenhaus. Hier möchten wir sehgeschädigten, von Gewalterfahrungen traumatisierten oder bedrohten Frauen und ihren Kindern zunächst einen Schutzraum bieten. Darüberhiansu ist unser Ziel, den Frauen mit Hilfe von Einkommen schaffenden Maßnahmen (Handarbeit, Tierhaltung, Lebensmittelproduktion u. ä.) und der Ausbildung und Förderung ihrer Interessen und Fertigkeiten zu einem eigenständigen Leben zu verhelfen. Sobald die Frauen innere soziale und ökonomische Stabilität gewonnen haben, beginnt die Übergangsphase aus dem Frauenhaus in die Selbstständigkeit.

Wir haben inzwischen – mit Hilfe von Spenden aus Deutschland und der Schweiz - ein großes Haus in Addis gemietet, in dem wir die Trainingsklassen, Büros und das Frauen-Wohnheim untergebracht haben. Ein professionelles Team unterstützt inzwischen die ersten 5 Frauen und 2 Kinder, die zuvor in sehr schwierigen Verhältnissen und zum Teil auf der Straße gelebt hatten.

Die Frauen lernen hier ihren Alltag mit Haushalt, Kindern und Ausbildung zu organisieren und gleichzeitig ihre Zukunft mit Ausbildung und ein sicheres Einkommen zu planen und daran zu arbeiten. Gleichzeitig finden die Frauen durch psycho-soziale, psychologische und medizinische Beratung und heiltherapeutische Aktivitäten Hilfe in der Bewältigung ihrer traumatischen Erlebnisse.

Für die Realisierung der verschiedenen Projektkomponenten brauchen wir weiterhin solidarische und finanzielle Unterstützung. Bitte wenden Sie sich an mich, sollten Sie Interesse an der Unterstützung unseres Projektes haben.

Informationen zu Together! finden Sie auf:
www.hilfefuerafrika.de

Wir freuen uns über jede Unterstützung!

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Eine Schreib-Werkstatt der besonderen Art und was daraus geworden ist...

Ich hatte bereits Schreibwerkstätten mit Jugendlichen und Kindern in den Projekten, in denen ich mich engagiere, durchgeführt. Aus der Schreibwerkstatt mit den Jugendlichen in Madagaskar ist 2006 das deutsch-madagassiche Buch "Madagaskar - Tage unseres Lebens" entstanden.

In Addis Abeba arbeite ich z.Z. mit einer Gruppe Kindern des Waisenprojekts "Let me be a child" an ihrem eigenen Buch. Und ganz früher, 1994/95, als ich an meinem Buch "Juma, ein Straßenkind aus Tansania" schrieb, waren es die Kinder des Dogodogo Straßenkinderprojekts, die mir dabei halfen ihr Leben auf der Straße so zu beschreiben wie sie es (er)lebten ... da waren sie meine Lehrer in ihrer ganz besonderen Schreibwerkstatt ...

Als Yonas Tarekegn, der Leiter der Bücherei vom Goethe Institut mich im Juni 2012 auf die Durchführung einer Schreibwerkstatt mit und für äthiopische Kinder- und JugendbuchautorInnen ansprach, sagte ich gerne und mit Freuden zu. Die Aufgabe reizte mich. Diesmal würde ich mit erwachsenen AutorInnen, äthiopischen KollegInnen, die bereits veröffentlicht hatten, "am Schreiben" arbeiten. Mir war von Anfang an bewusst, dass wir voneinander lernen würden und darauf freute ich mich besonders!

Buecher_WL

 

Die folgenden Monate arbeitete ich an einem Workbook und hatte mehrere Arbeitsgespräche mit Yonas, der mir mit seinen Ideen und Beiträgen für die Planung der Schreibwerkstatt zur Seite stand.

Die Schreibwerstatt wurde am 4. September 2012 von Frau Irmtraut Hubatsch (Leiterin des Goethe Instituts Addis Abeba) eröffnet und fand bis zum 6. September 2012 statt. TeilnehmerInnen waren 14 äthiopische Kinderbuchautoren, mit denen das Goethe Institut schon seit längerem zusammen arbeitet.

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Insgesamt war die Veranstaltung sehr intensiv. Es wurde viel diskutiert und auch viel geschrieben.

Unter anderem benutzte ich, im Rahmen einer bestimmten Übung, folgende drei Bilderbücher deutscher Autoren: Miriam Koch: "Fiete Anders". ("Fiete Different"). Gerstenberg Publisher. Germany. 2007.

Hermann Schulz/Tobias Krejtschi: "Die schlaue Mama Sambona". ("Clever Mama Sambona"). Peter Hammer Verlag. Germany. 2007

Nasrin Siege/Barabara Nascimbeni: "Wenn der Löwe brüllt". ("When the lion roars"). Peter Hammer Publisher. Germany. 2009

Alle drei Bücher wurden von Lena Ferguson (freischaffende Übersetzerin, USA) in Englisch und von Yonas Tarekegn (Goethe Institut Addis Abeba) in Amharisch übersetzt.

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Die Teilnehmer arbeiteten zu den verschiedenen Themen des Workshops im Plenum, in Kleingruppen und individuell. So entstanden nach und nach Geschichten, die z.T. nach dem Workshop weiter geschrieben wurden.

Eine Auswahl dieser Geschichten wird das Goethe Institut Addis Abeba demnächst in Deutsch-Amharisch herausgeben. Wir alle, die an der Schreibwerkstatt mitgearbeitet und teilgenommen haben, freuen uns sehr darüber! Und wir danken dem Goethe Institut Addis Abeba, vor allem Frau Irmtraut Hubatsch und Yonas Tarekegn für die tolle Unterstützung! Ja, und jetzt können wir alle gespannt sein auf das Buch der äthiopischen Kinder- und Jugendbuchautoren, das in Amharisch und in Deutsch erscheinen wird.

Das Goethe-Institut Addis Abeba berichtet auf seiner Website über die Schreibwerkstatt.

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Das Waisen-Projekt "Die Insel" in Addis Abeba

„Die Insel“ – ein kleines Haus in Addis Abeba, in dem z.Z. 43 Waisen im Alter von 6 bis 17 Jahren tagsüber betreut werden.

Das Waisenprojekt „Die Insel“ wurde 2004 von dem deutsch-äthiopischen Verein „Let me be a child e.V.“ ins Leben gerufen. Die Gründer des Vereins sind Etagegne Girma-Bierig und Marius Bierig aus Langballig (in der Nähe von Flensburg) und eine Gruppe von Freunden aus Deutschland und Äthiopien.

Zunächst startete der Verein mit seiner Arbeit in einem Privathaus in Addis Ababa. Die erste Gruppe bestand aus 15 Kindern. Inzwischen ist die Gruppe auf 43 Kinder angewachsen, und Kinder und Mitarbeiter sind in ein größeres Haus, das aus Spenden aus Deutschland finanziert wurde, umgezogen.

Die Kinder werden in dem Haus tagsüber betreut (Ernährung, medizinische Hilfe, psychologische Betreuung, Schule und Schularbeitenhilfe, Kleidung), während sie nachts bei den Restfamilien übernachten. Die Projektmitarbeiter besuchen regelmässig diese Familien und überprüfen damit die adäquate Unterbringung der Kinder.

Ich habe Etagegne Girma-Bierig bereits Anfang des Jahres 2008, wenn auch nur telefonisch, kennen gelernt. Im April 2008 trafen wir uns dann das erste Mal, und diesmal in Addis Abeba, wo sie mich zur „Insel“ mit nahm. Seitdem unterstütze ich das Projekt vor Ort und finanziell durch Spenden von Hilfe für Afrika e.V.

Hilfe für Afrika e.V. finanziert seit Juni 2008 eine Schneiderin im Projekt, die nicht nur die Schuluniformen der Kinder näht, ihre Kleidung repariert, sondern auch interessierten Kindern das Nähen beibringt. Hinzu gekommen ist seit Herbst 2009 die Finanzierung eines weiteren jungen Mitarbeiters, der den Kindern bei den Hausaufgaben hilft, mit ihnen spielt und mir in der inzwischen entstandenen Schreib- und Theatergruppe und der Bücherei hilft.

Mit dem Englisch-Unterricht fing es an ...

Die Kinder der „Insel“ hatten ganz schnell mein Herz erobert, und als ich Etagegne fragte, wie ich mich einbringen könnte, schlug sie mir vor, den älteren Kindern Englisch zu unterrichten. Seit Juli 2008 ging ich nun einmal in der Woche zur „Insel“, wo mich eine Gruppe von ca. 15 bis 17 hoch motivierte Mädchen und Jungen schon erwartete.

Damit die jüngeren Kinder auch ihren Spaß haben, nahm ich ihnen textfreie Bilderbücher und Märchenbücher in Amharisch mit. Während die Älteren Englisch lernten, sahen sich die kleineren Kinder die bunten Bilderbücher an und liessen sich von Hana, der Sozialarbeiterin des Projekts, und Tedi, einem Freund des Projekts, Geschichten erzählen und vorlesen ... und so entstand allmählich die kleine Bücherei im Projekt, die zwar noch keine Regale hat, dafür aber schon einen guten Bestand von Büchern ...

Englisch lernen mit den Mini-Büchern von Tapori

Schon in Madagaskar hatte ich diese kleinen, mit unausgemalten Bildern illustrierten Büchlein von Tapori (www.tapori.org), der Kinder-Organisation von ATD Vierte Welt kennen gelernt. Jedes Buch erzählt eine Geschichte von einem oder mehreren Kindern aus einem Land in unserer Welt. Jede dieser Geschichten erzählt von schwierigen Verhältnissen, Armut und den Versuchen der Protagonisten ihren Alltag zu bewältigen.

Ein eigenes Buch ...

Ich hatte mir von Tapori mehrere Exemplare der Bücher, in der englischen Übersetzung, schicken lassen. Für den Unterricht kopierte ich das jeweilige Buch gleich mehrfach, so dass jedes Kind sein persönliches Exemplar bekam, in den es seinen Namen schreiben und dessen Bilder es ausmalen konnte.

Neben dem Erlernen der Sprache, diskutierten die Kinder, mit Hilfe der Geschichten, über die Probleme der Kinder in den Geschichten und sie sprachen dabei über sich und ihre Probleme. Gleichzeitig erweiterten die Kinder ihr Wissen über andere Länder. Da ich kein Amharisch spreche, standen mir Yeneheh, Eyoub und Habtamu, die Mitarbeiter des Projekts, abwechselnd zur Seite.

Dieser Unterricht hat wiederum neue Ideen und Projekte geschaffen:

  • Durch den Kontakt mit Tapori haben die Kinder Briefe und Zeichnungen an Kinder anderer Projekte verfasst, und sie haben Briefe von Kindern aus anderen Ländern erhalten.
  • Die Kinder haben zum 17. Oktober 2009, dem Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut, so gen. Dazibaos gemalt und beschriftet, die Tapori online ausgestellt hat.
  • Die Kinder tauschen sich auf Englisch in E-Mails und Briefen mit Schulklassen in Deutschland aus.

Die Kinder haben zwei eigene Geschichten geschrieben, die während unserer gemeinsamen Stunden, aus einer Mischung aus Erzählen und Theater entstanden sind. Die Geschichte „Tariku“ ist inzwischen ins Französiche übersetzt, im Tapori Newsletter erschienen und ist online auf der englischen Seite von Tapori in der englischen Originalfassung zu finden. Ein französicher Künstler hat wunderschöne Illustrationen dazu gemacht. Schauen Sie sich die Seite an: http://www.tapori.org/site/Tariku.html

  • Neben der Arbeit mit den älteren Kindern des Projekts, habe ich versucht, nach dem Vorbild der Straßenbücherei, die ich in Madagaskar kennen gelernt hatte, für die Kleinen eine Buch- und Malstunde einzurichten. Denn auch in Äthiopien gibt es nicht sehr viel Auswahl an Kinderbüchern. Ich habe alle Bücher in Amharisch, die ich finden konnte, für die Bücherei gekauft. Bei den anderssprachigen Büchern habe ich nach möglichst textfreien Bilderbüchern geschaut. Einige Bücher habe ich in meinen eigenen Regalen gefunden. Andere bekam ich von Freunden in Addis, Deutschland und von Verlagen gespendet. Ein großer Renner bei den Kleinen sind Malbücher!

Es ist ein schönes Projekt und es ist eine reine Freude die Kinder in ihrem Vergnügen mit Büchern und Geschichten und ihre Kreativität zu erleben! Während nun die Älteren in der Lese-, Schreib- und Theater-Werkstatt ihren Spaß haben, haben die jüngeren Kinder ihre Buchstunde, die oftmals von den Mitarbeitern mit dem Erzählen von Märchen gewürzt wird. Seit Herbst 2009 unterstützt uns Sam, ein Schüler der Deutschen Botschaftsschule Addis Abeba in der Buchstunde.

 

In seiner Arbeit mit Kindern

... geht der bekannte Fotograf Willy Puchner immer wieder in Schulen. Ich lernte ihn in Addis Abeba kennen und machte ihn bekannt mit dem Projekt „LET ME BE A CHILD“. Er hat dort mit den Kindern gezeichnet, und sie fotografiert und das Projekt hat durch ihn einen neuen Freund bekommen :)
Die Fotos sind auf seiner Homepage http://www.rotehasen.com/ zu finden.

 

Mehr Informationen finden Sie auf folgenden Websites:

www.direkte-kinderhilfe.de/

http://de.betterplace.org/projects/3059-let-me-be-a-child-e-dot-v

www.tapori.org

www.atd-quartmonde.org/-Deutsch-.html

www.atd-viertewelt.de/ 

www.hilfefuerafrika.de/

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Das Buchprojekt mit madagassischen Jugendlichen

Das Buch der Jugendlichen aus dem Armenviertel ist seit dem 1. Juni 2007 auf dem madagassichen Buchmarkt!

Kinder der Straßenbücherei schreiben ihr eigenes Buch

„Wieviele Bücher haben Sie geschrieben?“ - „Wie lange schreiben Sie an einem Buch?“ – „Was bringt Sie auf das Thema von einem Buch?“ … Solche und andere ähnliche Fragen kennt wohl jeder Autor, der vor einer Gruppe von Kindern aus seinen Büchern gelesen hat. Auch mir wurden sie oft gestellt, aber eher in den Klassenzimmern in Deutschland, Schweiz und Österreich, den Ländern, in denen ich aus meinen Büchern gelesen habe.

Buchprojekt Madagaskar

Diesmal – im Juni 2005 – wurde ich von ca. zwanzig madagassischen Jungen und Mädchen befragt. Wir sassen in der damals seit kurzem gebauten Bibliothek „Fanovozantsoa Joseph Wresinski“, die sich in Antohomadinika, einem der ärmsten Wohnviertel Antananarivos, befindet. Der Weg zur Bücherei hatte mich an ärmliche Hütten vorbeigeführt, die sich links und rechts an einen kleinen schmutzig-grünen Kanal befanden, in dem sich der Unrat und das Abwasser sammelt. Hier, inmitten von Staub und Abfällen, spielten kleine Kinder, nicht weit von einem Müllberg, in dem eine junge Frau mit einem Baby nach etwas Nützlichem wühlte.

Hütten

Immer noch mit den eben gesehenen Bildern der großen Armut vor Augen, saß ich nun in dieser kleinen Bibliothek, schaute auf die halbvollen Regale und ließ mir von den stolzen Jugendlichen erzählen, wie sie mit Hand angefaßt hatten am Bau ihrer Bücherei.

Und dann kamen ihre Fragen an mich, die Autorin aus Deutschland. Immer wieder schnellten ihre Hände in die Höhe. Nachdem ich von mir erzählt hatte, auch wie und warum ich angefangen hatte zu schreiben, erfuhr ich, dass eine Reihe der Jungen und Mädchen auch schrieb. Ein Junge holte sein Heft und zeigte mir die ersten 25 Seiten seines Theaterstücks und ein Mädchen fragte, wann ich denn wiederkommen würde, denn sie hätte auch eine Geschichte geschrieben … Und irgendwann war die Idee vom eigenen Buch da, das sie alle mit ihren Geschichten füllen könnten. Dass ich wiederkommen würde, war danach keine Frage mehr.

Die Jugendlichen, die an ihrem eigenen Buch gearbeitet haben, sind in der Jugendbewegung von ATD Vierte Welt / Madagaskar aktiv (ATD: „Hilfe in aller Not“). Hier in Antananarivo unterstützen sie u.a. die Straßenbüchereien: Sie besuchen mit den MitarbeiterInnen vom ATD die Kinder von Antohomadinika auf Straßen und Plätzen innerhalb des Viertels. Da viele Kinder nicht zur Schule gehen und keine Bücher kennen, ist das Ziel, sie mit Büchern, Geschichten, Liedern und dem Malen vertraut zu machen.

Einer der ATD-Mitarbeiter ist Lucas Rodwell, mit dem ich vom Beginn des Buchprojekts mit den Jugendlichen zusammen gearbeitet habe.

Während der folgenden Werkstattgespräche mit Lucas und mit mir beschlossen die Jugendlichen, Geschichten über ihr Leben in ihrem Stadtviertel zu schreiben. Dabei habe ich viel über ihre Lebenssituation erfahren und gesehen, dass das Schreiben für sie mit vielen Schwierigkeiten verbunden ist: Sie alle leben mit ihren Familien in kleinen notdürftig zusammengezimmerten engen Unterkünften in dem Armenviertel in Antananarivo. In ihren Wohnungen gibt es keinen Raum, in den sie sich zurückziehen können, in dem sie Ruhe zum Schreiben bekommen. Hinzu kommen ihre vielen Verpflichtungen – abgesehen von ihrem Engagement im ATD - , die sie in ihren Familien haben: All die Arbeiten, wie Wasserholen, Kochen, Saubermachen, Wäschewaschen und auf die kleineren Geschwister aufpassen, lassen wenig Zeit für die Schule und zum Schreiben.

Und trotzdem haben sie weiter an ihrem Buch gearbeitet!

Schreibgruppe

Da es in Madagaskar wenige Bücher auf Malagasy, der lokalen Sprache gibt, sollte ihr Buch ursprünglich auf Malagasy und Französich erscheinen. Es sollte von einem der Mädchen illustriert werden und in Madagaskar gedruckt werden. Mit dem daraus erzielten Einkommen wollten die Jugendlichen u.a. Bücher und Material für ihre Bibliothek und die Straßenbücherei kaufen.

Im November 2006 machten wir einen Ausflug in den Regenwald bei Andasibe. Die Jugendlichen lasen sich gegenseitig ihre fertigen Geschichten vor, diskutierten erneut die Frage der zweiten Sprache des Buches und beschlossen kurz danach, dass ihr Buch in Malagasy und Deutsch erscheinen sollte.

Das war imGrunde der zweite entscheidende Schritt, denn von nun an konnte ich – die Autorin aus Deutschland - die deutschen Übersetzungen besser überarbeiten. Der deutsche Titel ist:

„Madagaskar – Tage unseres Lebens“

Sieben Jugendliche– Celine, Lucy, Naina, Brigitte, Ravaka, Naval und Jocelyn aus Antananarivo erzählen Geschichten aus ihrem Leben, und Ruffin aus Tulear hat einen Artikel über die Beerdigungszeremonien der Vezo (der Ethnie, der er angehört) geschrieben.

Die Jugendliche Prisca Rakotomanga hat die Erzählungen illustriert.

Peter Hofs von Banjara Hills Consult hat mit seiner Arbeit am Layout sehr viel zum Gelingen des Buchs beigetragen. Danke Peter!

Buchtitel "Tage unseres Lebens"

Am 1. Juni 2007 ist das Buch bei der Imprimerie Lutherienne in Madagaskar in Malagasy und Deutsch erschienen.

Gerade rechtzeitig, denn unsere Termine für die Präsentationen des Buches in der Bibliothek in Antohomadinika am 2. Juni 2007 und im Goethe Zentrum am 6. Juni standen schon fest.

Das waren große Tage für die jungen AutorInnen und Prisca! Endlich war der Traum vom eigenen Buch kein Traum mehr, sondern Realität!

Präsentation

Beide Veranstaltungen waren sehr schön, mit vielen Gästen und aufgrund der unterschiedlichen Lokalitäten auch sehr unterschiedlich: In Antohomadinika waren viele Nachbarn, Freunde und Mitglieder anderer Hilfsprojekte gekommen. Auf der Galerie-Seite gibt es Fotos davon.

Im Goethe-Zentrum trafen wir Besucher aus der internationalen Gemeinde, Madagassen, die in irgend einer Weise mit Deutschland und der deutschen Sprache verbunden waren und Mitgliedern anderer Hilfsprojekte.

Besonders geehrt fühlten wir uns alle durch den Besuch des deutschen Botschafters Dr. Wolfgang Moser.

Buchpräsentation im CGM

Der Ablauf beider Veranstaltungen war ähnlich: Zu Beginn stellten die Jugendlichen pantomimisch unsere Arbeitssitzungen der letzten Monate vor. Im Anschluss stellten sie sich dem Publikum vor, lasen aus ihren Texten und danach habe ich Teile aus den deutschen Übersetzungen vorgetragen. Zur Untermalung hatten wir Priscas Illustrationen ausgestellt.

Am 25. Oktober 2007 um 18 Uhr werde ich im Rahmen einer Ausstellung (mit den ersten handgeschriebenen Texten, ersten Übersetzungen in Französich und dann in Deutsch, Überarbeitungsprozess, Fotos, Illustrationen etc.) in der PH Heidelberg vom Entstehen des Buches der Jugendlichen erzählen.

Sie sind alle herzlich dazu eingeladen!

Das Buchprojekt wurde mit Hilfe von Spenden von Hilfe für Afrika e.V. finanziert.

Die erste Auflage von 600 Exemplaren in Madagaskar war nach wenigen Tagen vergriffen und inzwischen ist die dritte Auflage anvisiert.

Da das Buch in Madagaskar erschienen ist, können Sie es nicht im deutschen Buchhandel bekommen.

Eine begrenzte Anzahl Bücher kann ab Juli 2007 von Hilfe für Afrika e.V. gegen eine Spende von 10 Euro erhalten werden. Sollten Sie Interesse an einem Exemplar haben, bitte ich Sie sich an www.hilfefuerafrika.de zu wenden. Diese Spenden werden für ATD Madagaskar und andere Projekte verwendet werden. Bei größeren Bestellungen wenden Sie sich bitte an ATD Madagaskar (siehe Link unten).

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Das Projekt in dem Dorf Ambohimandroso

Seit Januar 2006 hat Hilfe für Afrika e.V. eine Initiative der Bewohner des Dorfes Ambohimandroso finanziell und mit Beratung unterstützt.

I - Das Schulprojekt:

Schulklasse draußen

Das Dorf liegt auf einem der vielen Hügel Antananarivos. Hier gibt es viele schulpflichtige Kinder, die nicht in die Schule gehen, da sie keine Geburtsurkunden haben. Um ihren Kindern eine Primarschulsausbildung zu ermöglichen, hat eine Gruppe der Eltern die Initiative unternommen und ein kleines Schulgebäude gebaut. Das Grundstück hat einer der Dorfbewohner zur Verfügung gestellt. Ermutigt durch die Unterstützung von Seiten des deutschen Vereins und nach vielen Gesprächen, haben die Eltern sich die Geburtsurkunden ihrer Kinder besorgt und aus der Grundschule ist eine Vorschule geworden. Die Eltern zahlen einen kleinen monatlichen Beitrag und finanzieren so einen Teil des Lehrergehalt. Den anderen Teil und die Kosten für das Schulmaterial finanziert Hilfe für Afrika e.V.

Klassenraum

Der weitere Beitrag von Hilfe für Afrika e.V.

Hilfe für Afrika wird die Vorschule bis Januar 2008 finanzieren und gleichzeitig versuchen, eine im Lande stationierte Hilfsorganisation für die langfristige Beratung und Finanzierung der Schule zu gewinnen.

II - Das Ausbildungsprojekt:

In Ambohimandroso lebt eine große Zahl von jungen Erwachsenen, die den Wunsch haben, neben der Landwirtschaft ein Handwerk zu erlernen. Sie haben, zusammen mit der oben erwähnten Elterngruppe ein eigenes Projekt ins Leben gerufen:

Mit dem zusammengesparten Geld der Initiatoren wurden im Jahre 2006 drei gebrauchte Strickmaschinen gekauft, an denen sie von März 2006 bis März 2007 von zwei Lehrerinnen ausgebildet wurden.

Strickmaschine

Hilfe für Afrika e.V. hat das Training der Gruppe mit der Finanzierung von Material und Gehälter für die Ausbilder und mit Beratung unterstützt.

Am 17. März 2007 – zwei Wochen vor Abschluss des Ausbildungsprogramms – fand auf einer belebten Straße im nahen Ambohimanga eine Verkaufsausstellung der StrickerInnen statt. Der Erlös aus dem Verkauf sollte als Startkapital für die neu zu gründende Kooparative genutzt werden.

Höhepunkt der Ausstellung war die Zeugnis-Verleihung an die 23 StrickerInnen!

Eine Woche nach der Verkaufausstellung gab es eine sehr traurige Nachricht: Mark Rakotomanga, der Ansprechpartner von Hilfe für Afrika e.V. und Nasrin Siege (Association Ecole de Rugby Ecole de la Vie) und enger Kontakt der Dorfbewohner, war gestorben.

Die folgenden Wochen nach seinem Tode gab es einen „Stillstand“ im Projekt. Mark war die ganze Phase hindurch immer ein zuverlässiger Freund und Kollege für alle Beteiligten im Projekt gewesen und er wurde sehr vermisst.

Inzwischen geht die Projektarbeit weiter: Die StrickerInnen sind im Prozeß der Gründung einer Kooperative und sie stricken fleißig weiter, nach dem sie einen Strickauftrag von 192 Pullovern für den hiesigen Markt erhalten haben.

Hoffnung

Der weitere Beitrag von Hilfe für Afrika e.V.

Hilfe für Afrika hat für die Gründung der Kooperative einen Finanzierungsbeitrag geleistet und versucht mit Hilfe einer neuen Partnerorganisation (Banjara Hills Consult - Dank an Peter Hofs!) durch Beratung weitere Finanzierungsmöglichkeiten für die neue Phase in Madagaskar ausfindig zu machen.

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